Rekordbeteiligung bei der 7. Fachtagung Konstruktiver Ingenieurbau in Berlin
Über 350 interessierte Teilnehmer strömten am 13. Oktober 2011 an die Technische Universität Berlin, wo die VDEI-Akademie für Bahnsysteme die 7. Fachtagung „Konstruktiver Ingenieurbau“ veranstaltete. Die Organisatoren hatten mit dem Thema „Bewertung und Sanierung von Bauwerken“ und der Auswahl der Referenten somit zielsicher den Informationsbedarf vieler Ingenieure getroffen.
Berlin, 17. Oktober 2011
Die Fachtagung wurde vom VDEI-Bezirk Berlin und der Technischen Universität Berlin unter der bewährten Mitwirkung der Bundesvereinigung der Prüfingenieure für Bautechnik e. V. (BVPI) an der TU Berlin durchgeführt. Bereits wenige Wochen nach ihrer Ankündigung war sie komplett ausgebucht. Da jedoch niemand von der Teilnahme ausgeschlossen werden sollte, entschlossen sich die Veranstalter, einen zweiten Hörsaal mit Bild- und Tonübertragung auszustatten und somit für die Veranstaltung nutzbar zu machen.
Der VDEI-Präsident Dipl.-Ing. (FH) Klaus Junker eröffnete die Fachtagung, begrüßte die Gäste und hob gleich zu Beginn die Bedeutung der für die Eisenbahnen tätigen Ingenieure für den betriebssicheren Erhalt der vorhandenen Ingenieurbauwerke hervor.
Dr.-Ing. Dietmar H. Maier, Mitglied des Vorstands des BVPI, richtete im Anschluss seine Grußworte an die zahlreichen Teilnehmer der Tagung.
Prof. Dr.-Ing. Karsten Geißler (TU Berlin) moderierte die Vormittagsveranstaltung und führte mit seinem Vortrag über die Rili 805 der DB AG in das Thema „Bewertung der Tragsicherheit bestehender Eisenbahnbrücken“ in die Fachtagung ein. Er erläuterte ausführlich die Entstehung und den Stand der Rili und berichtete über Anwendungsbeispiele an Großbrücken.
Dipl.-Ing. Volkmar Quoos (DB Netz AG) referierte und ergänzte aus Sicht des Messtechnikers das Thema. Er ging besonders auf den Einfluss von messtechnisch ermittelten Schwingfaktoren auf den Nachweis der (Rest-)Tragfähigkeit erhaltenswerter Bauwerke ein.
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Einen Einblick in moderne Ingenieurmethoden bei der Überprüfung bestehender genieteter Eisenbahnbrücken bei den Schweizerischen Eisenbahnen gab Prof. Dr.-Ing. Eugen Brühwiler (ETH Lausanne). Mit seinem Plädoyer für den Erhalt dieser vielfach bauhistorischen Bauwerke erreichte er die besondere Aufmerksamkeit der Zuhörer und löste eine rege Diskussion aus. An mehreren Beispielen berichtete er über die Nachweisführung für die Trag- und Ermüdungsfestigkeit, ergänzt durch Sanierungsvorschläge und nachträgliche Lärmschutzmaßnahmen. Regelwerke für Bestandsbauten seien von hoher Wichtigkeit. |
Über Erfahrungen mit dem Carbon-faserverstärkten Kunststoff CFK im Straßenbrückenbau sprach Dr.-Ing. Hans-Peter Andrä. (BVPI). Dieser Werkstoff ist bisher im Eisenbahnbrückenbau bauaufsichtlich nicht eingeführt, steht aber im Focus der DB Netz AG. Anhand von Vergleichen mit Baustählen, u. a. der mechanischen Werte und der Kosten, und am Beispiel der Sanierung einer Straßenbrücke wurden die großen Potenziale des CFK aufgezeigt. Auf den noch großen Handlungsbedarf vor Zulassung bei den Eisenbahnen wurde hingewiesen.
Dipl.-Ing. Lutzens (VDEI) stellte die neuesten Informationsschriften des Fachausschusses KIB vor - Nr. 08 „Ablöseberechnung“ und Nr. 09 „Stahlsortenwahl“. Alle Informationsschriften stehen auf der VDEI-Homepage zum Herunterladen bereit. Auf die nächsten Fachveranstaltungen wurde hingewiesen.
Am Nachmittag übernahm Dipl.-Ing. Bernd Pinkert (VDEI) die Moderation und übergab das Wort an Dipl.-Ing. Michael Liebelt (DB Netz AG) für seinem Vortrag über Neuerungen im Regelwerk der DB. Besonders eingegangen wurde auf Gründungen von Lärmschutzanlagen, zusätzliche Anforderungen an Stahlbrücken und Verbundbrücken mit einbetonierten Stahlträgern sowie Korrosionsschutzmaßnahmen.
Ein großes Problem an Eisenbahnbrücken stellt häufig deren Abdichtung dar. Auf Fehler schon bei der Planung sowie beim Einbau ging Dipl.-Ing. Tristan Mölter (DB Netz AG) anhand von Beispielen im ersten Teil seines Vortrags ein. Anschließend berichtete er über die wesentlich überarbeitete Neuausgabe des Moduls 804.6101 der DB AG. Der zufolge müssen u. a. Abdichtungen künftig von einem Fachmann geplant und nachträgliche Dichtungsdurchdringungen über eine UiG zur Ausführung zugelassen werden.
Prof. Dr.-Ing. Harald Budelmann (TU Braunschweig) hatte sich in seinem Vortrag über Betonschäden speziell auf die Ursachen aus Umwelteinflüssen auf Beton, wie Wasser, Frost, Chemikalien, und Stahl sowie mechanischem Zwang beschränkt und über deren Wirkungen, wie Ettringit, Thaumasit und AKR beim Beton, aufgeklärt. An Beispielen berichtete er über erfolgreiche Sanierungsmaßnahmen.
Das letzte Thema war der Sanierung der Göltzschtalbrücke gewidmet. Dipl.-Ing. Lutz Buchmann (DB ProjektBau SO) berichtete über die noch laufenden Arbeiten zur Herstellung einer regelkonformen Oberleitungsanlage, deren Schwerpunkt die Verbreiterung und Ertüchtigung der 2-gleisigen Fahrbahn unter dem rollenden Rad bildet. Ergänzt wurde der Vortrag von Dr.-Ing. Thomas Bösche (Curbach-Bösche Ingenieurpartner) durch interessante Details der Bauwerksplanung.
Abschließend konnte Prof. Geißler mit sichtlicher Zufriedenheit die überaus positiven Erkenntnisse der Tagung zusammenzufassen und auf die kommende 8. Fachtagung hinweisen.
Die Pausen wurden zum intensiven fachlichen Austausch zwischen den Teilnehmern und den fachbezogenen Ausstellern genutzt.
Die Fachtagung war im Vorfeld als Fortbildungsveranstaltung von der Senatsverwaltung Berlin, der Bayerischen Ingenieurkammer-Bau, der Ingenieurkammer-Bau NRW und der Ingenieurkammer Rheinland-Pfalz anerkannt worden.
