Mein erster Urlaubstrip im inzwischen vergangenen Sommer führte mich über den VDEI-Bezirk Köln, wo ich der Einladung zum VDEI-Sommertreff am 08.07.2025 ab 16:00 Uhr im "Stadtgarten" Köln-West folgte, um die Kontakte zu meinen Fachkollegen aus anderen Bezirken zu pflegen, mit denen ich entweder in Arbeitskreisen und Fachausschüssen zusammengearbeitet habe bzw. zusammenarbeite. Nach einem regen und kurzweiligen Gedankenaustausch erhielt ich die Einladung, an einer Brückenüberprüfung als Beobachter teilnehmen zu dürfen. Sie entpuppte sich als eine Mitfahrt in einer alternativen "Wupper-Schwebebahn", die aber nicht unterhalb des Fahrwegträgers, sondern seitlich davon geführt wurde.
Die Fachkollegen Günter Gewehr und Ulrich Nossol sind als Projektleiter bzw. als Bauleiter an der Grundinstandsetzung der 107 Meter hohen Müngstener Talbrücke mit einer Masse von 5000 Tonnen zwischen 2013 und 2021 beteiligt gewesen. Sie sind dies bei den nachfolgenden Wartungs- und Instandsetzungsarbeiten immer noch, obwohl beide schon vor Jahren das Renteneintrittsalter hinter sich gelassen haben, wobei Ulrich Nossol bereits länger als ein halbes Jahrhundert für die Eisenbahn arbeitet.

Bauwerksprüfungen an der Müngstener Talbrücke (Quelle: Dittmer)
Im Rahmen von regelmäßigen Bauwerksprüfungen und Kontrollen der Stahlkonstruktion, Lager, Fundamente und Fahrbahn ging es zusammen mit den beiden und einem Schlosser am 09.07.2025 ab 11:00h im äußeren Untersuchungswagen rechtsseitig mehr als 100 Meter über die Wupper in Fahrtrichtung Remscheid. Diese Fahrzeuge werden auch Revisionswagen genannt und wurden zum Ende der Grundinstandsetzung angebracht. Der Wagen befand sich zunächst in einem „undefinierten Zustand“ und wollte sich nicht in Bewegung setzen, bis die Ursache hierfür gefunden wurde: Ein Sensor an einem Bolzen, der zur Befestigung des Wagens in einer Verankerung steckt, hatte einen unterbrochenen Kontakt.
Während der Fahrt wurde u.a. ein Blick auf einige „Thyssen-Schwellen“ geworfen, von denen einige inzwischen ausgewechselt worden sind. Diese stellen eine für die Brücke angepaßte Stahlkonstruktion dar, die ohne Beton- oder Schotterbett auskommen und die Kräfte aus Zugverkehr, Bremsen und Anfahren in die Brückenkonstruktion ableiten. Die Mitfahrt ließ auch einen ungewohnten Blick auf einen der beiden parabelförmigen Brückenbögen mit einer unteren Spannweite von jeweils rund 170 Metern werfen, den man sonst nur mit Hilfe einer Kameradrohne hätte.
Michael Dittmer

