Am Dienstag, 26.05. traf sich eine kleine Gruppe von neun Teilnehmern im niederbayerischen Regen, um dort bei gemeinsamen Aktivitäten interessante und erlebnisreiche Tage im Bayerischen Wald zu verbringen. Egal aus welcher Richtung man sich der Stadt Regen mit der Bahn nähert, das letzte Stück fährt man mit der Waldbahn, einer Länderbahn, die dort auf einem Netz von ca. 150 km den SPNV durchführt. Zentrum des Netzes ist der Bahnhof Zwiesel, vom dem die Strecken quasi spinnenförmig in verschiedene Richtungen verlaufen.

Bild 1 Waldbahnnetz (Quelle: Die Länderbahn - Waldbahn)
Derzeit erfolgt im Rahmen des Projektes „Zwieseler Spinne“ die Erneuerung der Signalanlagen im gesamten Netz mit digitaler Stellwerkstechnik. Darüber hinaus ist auch die Erneuerung von drei größeren Eisenbahnbrücken geplant. Mit der Erneuerung der Nagerlbrücke auf dem Streckenabschnitt zwischen Regen und Zwiesel wurde begonnen. Für dieses Jahr ist dort noch der Einhub der neuen Stahlfachwerkbrücken geplant.

Bild 2 Neue Bauteile für die Nagerlbrücke
Nach der Ankunft in Regen und dem Einchecken im Hotel starteten wir am späteren Nachmittag zu einer Besichtigung der Eiskeller in Regen. Die Eiskeller wurden etwa in der Mitte des 18. Jahrhunderts in den Felsen getrieben, um dort vor allem das Bier kühl zu lagern. Immerhin hatte Regen zur damaligen Zeit noch 14 Brauereinen bei gerade mal 1500 Einwohnern. Das Eis für die Eiskeller wurde im Winter aus den umliegenden Gewässern „geerntet“ und in großen Blöcken in die Keller verbracht. Im Verlauf der weiteren Nutzung wurden auch Lebensmittel dort gelagert. Erst in den 1960er Jahren wurde die Nutzung ganz aufgegeben. Danach verfielen die Keller mehr und mehr bis sich im Jahr 2009 der Verein Postkellerfreunde gründete, der von den insgesamt 25 Kellern acht wieder zugänglich machte. Heute können die Keller nicht nur besichtigt, sondern auch teilweise für Events genutzt werden. In einem der Keller wurde sogar ein Traukeller eingerichtet. Das mag sich bei den konstanten Temperaturen von 8 °C zunächst etwas frostig anfühlen, aber immerhin kann sich das Brautpaar bei kühlem Kopf das Eheversprechen geben.

Bild 3 Trauraum im Eiskeller Regen
Den ersten Abend verbrachten wir gemeinsam in einem italienischen Restaurant, also noch nicht gleich urbayerisch, aber das sollte noch kommen.
Am zweiten Tag starteten wir zu einem Besuch in die tschechische Stadt Pilsen. Mit der Waldbahn ging es zunächst bis zum Bahnhof Bayerisch Eisenstein.

Bild 4 Bf Bayerisch-Eisenstein
Der Grenzbahnhof an der deutsch-tschechischen Grenze wurde 1878 eröffnet. Das Empfangsgebäude setzte man bewusst mitten auf die Grenze und es wurde dadurch zu einer Touristenattraktion. Mit der Fertigstellung der Eisenbahntrasse waren München und Prag durch die Eisenbahn verbunden. Zur Zeit des Kalten Krieges von 1945 bis 1989 war der Bahnhof zweigeteilt. Mit Bretterverschlägen im Gebäude und massiven Zaunanlagen im Gleisbereich wurde der Bahnhof in dieser Zeit zum Symbol des Eisernen Vorhangs. Auch heute noch ist die Grenze im Gebäude durch eine rote Linie gekennzeichnet.

Bild 5 VDEI-Reisegruppe im Bf Bayerisch-Eisenstein
Das Gebäude ist jedoch aufwendig saniert und beinhaltet neben einem Restaurant auch Ausstellungen, die an die Zeit des Eisernen Vorhangs erinnern. Vom Bahnhof Bayerisch Eisenstein ging es dann mit einem schon etwas betagteren Wagenpark, gezogen von der sogenannten Taucherbrille, einer aufgrund ihrer äußeren Form so bezeichneten Lok der Baureihe T 478.3, weiter.

Bild 6 „Taucherbrille“ Tschechische Lok BR 754 019-8
Leider mussten wir baustellenbedingt etwa nach der Hälfte der Strecke in einen Bus umsteigen. Der SEV ist eben auch in Tschechien ein Thema. Gegen Mittag erreichen wir den Bahnhof Pilsen und wurden gleich auf das imposante Empfangsgebäude aufmerksam, ein hohes und sehr helles Gebäude im Jugendstil mit markanter Kuppel und einer dementsprechend hohen Empfangshalle.
Vom Bahnhof machten wir uns zu Fuß auf den Weg Richtung Innen- bzw. Altstadt. Vorbei an der Bartholomäus-Kathedrale, dem Markplatz und vielen weiteren schönen Gebäuden rund um den Marktplatz erreichten wird das bereits vorgebuchte Schweyk-Restaurant, um dort leckere böhmischen Spezialitäten zu genießen. Danach ging es mit einem gemütlichen Spaziergang durch Altstadt und Parkanlagen wieder zurück zum Bahnhof. Den Abend verbrachten wir in Regen auf dem Marktplatz im Außenbereich eines Lokals.
Am Tag 3 unserer Reise stand die Fahrt mit der Gondelbahn auf den „Großen Arber“ auf dem Programm, ein weiterer Höhepunkt unserer Reise im wahrsten Sinne des Wortes. Mit der Waldbahn ging es zunächst bis zum Bahnhof Bodenmais. Der Bahnhof Bodenmais ist ein besonderer Bahnhof. Das gesamte Bahnhofsareal wurde Ende der 1990er Jahre umgestaltet, das alte Empfangsgebäude wurde zurückgebaut. Der von der Gemeinde errichtete Neubau beherbergt heute das Rathaus und eine Tourist-Information mit Fahrkartenverkauf. Um den Bahnhof herum wurde ein Kurpark angelegt. Die Bahnsteigüberdachung ähnelt eher einem Wandelgang in einem Kurpark als einer gewöhnliche Dachkonstruktion. Hier ist ein gestalterischen Gesamtkonzept gelungen, bei dem das Urlaubs- und Erholungsfeeling direkt am Bahnhof beginnt. Ein schöneres Willkommen für die ankommenden Bahnreisenden kann man sich kaum vorstellen.
Von Bodenmais brachte uns ein Linienbus bis zu Talstation am „Großen Arber“. Recht zügig waren wir allen oben und konnten uns je nach Belieben und Fähigkeiten dort bewegen.
Den letzten Aufstieg auf einen felsigen Hügel bzw. bis zum Gipfelkreuz trauten sich dann nur noch einige Teilnehmer zu, gottlob unbeschadet und stolz kehrten sie wieder zurück. Es war an diesem Tag eine wunderbare klare Sicht und so konnten wir die herrlichen Ausblicke von dort oben aus 1.455 m Höhe ausgiebig genießen.
Nach der Rückkehr zur Talstation ging des mit dem Bus wieder zurück, diesmal bis Bayerisch Eisenstein und von dort aus mit der Waldbahn bis Regen.
Für den späteren Nachmittag und Abend war ein Besuch der Burgruine Weißenstein geplant. Wir wurden mit zwei Autos vom Hotel abgeholt und merkten schon während der Fahrt, dass es nicht auf direktem Weg zur Burgruine geht. Wir erreichten schließlich eine Hofstelle, wo ein mit zwei Pferden bespannter Planwagen für uns vorbereitet wurde. Und so fuhren wir, versorgt mit kühlen Getränken, eine knappe Stunde durch Wald und Flur und erreichten schließlich die Burgruine Weißenstein, die wir dann auch noch über angelegte Wege und Treppen besteigen konnten. Eine weitere Besonderheit auf diesem Gelände war der Gläserne Wald, eine Anordnung von aus Glas kunstvoll hergestellten Bäumen.
Die Herstellung von Glas in allen möglichen Formen und Farben ist traditionell eine sehr alte und gepflegte Handwerkskunst in der Region. Näheres dazu sollten wir am nächsten Tag erfahren. Den gemütlichen Abend verbrachten wir im nahegelegenen Restaurant, ließen dort den erlebnisreichen Tag Revue passieren kehrten am späten Abend wieder zurück ins Hotel.
Am vierten und letzten Tag unserer Reise starteten wir zu einem Besuch der Glasmanufaktur Joska in Bodenmais. Gleich nach der Ankunft waren wir schon schwer beeindruckt von den aus Glas gefertigten Skulpturen auf dem Außengelände des Betriebes. In den Ausstellungshallen bot sich dann eine fast unüberschaubare Vielzahl von Produkten aus Glas, angefangen von kleinen Tieren wie Schweinchen, Mäuse, Schafe usw. von Geschirr und Gläsern in allen Größen, Formen und Farben, von Pokalen aus Glas bis hin zu kunstvoll gestalteten Skulpturen. In einem besonderen Bereich konnte man Glasbläsern bei ihrer Arbeit zuschauen und es gab auch die Möglichkeit, selbst Hand bzw. das Blasrohr an den Mund zu legen und zu probieren. Insbesondere von Kindern wurde hiervon reger Gebrauch gemacht. Alles in allem war es ein großartiges Erlebnis und so mancher von uns hat auch ein Lieblingsstück aus Glas erworben, zwei davon war so groß, dass sie separat direkt nach Hause versandt werden mussten und dort auch gut angekommen sind.
Der letzte Tag sollte dann mit einem bayerischen Abend ausklingen. Dazu gehört nicht nur ein zünftiges Wirtshaus mit bayerischen Gerichten und Bier aus der Region, sondern auch noch bayerischer Livemusik. All dies wurde dann auch geboten. Vor allem die drei Musiker mit Gitarre, Bass und Akkordeon haben mit ihrem abwechslungsreichen und humorvollen Repertoire für ausgelassene Stimmung gesorgt. Da wurde so manche Runde Schnaps spendiert, der die Musiker zu immer neuen Höchstleistungen ermunterte und die Zugaben wollten kaum ein Ende nehmen. Es war ein herrlicher und gelungener bayerischer Abend und alle sind zu später Stunde zufrieden wieder zurück zum Hotel gekommen.
Am nächsten Morgen hieß es Abschied nehmen vom schönen Bayernland, welches wir bei schönstem Urlaubswetter genießen konnten. Ganz großer Dank gilt unserem Reiseführer und Kollegen Daniel Reinecke. Er hat die Reise perfekt vorbereitet und uns professionell während der vier Tage geführt und begleitet, und alles hat reibungslos funktioniert.
Dafür hat er sich dann auch ein schönes Dankeschön-Geschenk von der Gruppe verdient. Es war eine wunderschöne Reise, oder wie der Bayer kurz und knapp sagen würde: „Schee woars“!
Autor: Ulrich Beyer
Alle Fotos: Ulrich Beyer

